Inhaltsstoffe von Enthaarungscreme
Enthaarungscremes bestehen im Kern aus einem Wirkstoff, der das Haar auflöst – meist Potassium oder Calcium Thioglycolate –, einer alkalischen Komponente wie Calcium Hydroxide und einer Cremegrundlage aus Wasser, Fetten und Emulgatoren. Dazu kommen je nach Produkt Pflegezusätze und Duftstoffe. Wer die INCI-Liste lesen kann, erkennt schnell, ob eine Creme zur eigenen Haut passt.
- Wirkstoff: ein Thioglykolat-Salz, gesetzlich in Konzentration und pH-Wert begrenzt.
- Alkalischer Puffer (meist Calcium Hydroxide): nötig, damit der Wirkstoff arbeitet, aber auch Hauptgrund für Reizungen.
- Urea und Paraffin sind Hilfsstoffe für Wirkung und Konsistenz, keine Pflege im klassischen Sinn.
- Pflegezusätze wie Aloe oder Sheabutter mildern, machen eine Creme aber nicht automatisch sanft.
- Parfum und deklarationspflichtige Duftstoffe sind die häufigsten Allergieauslöser.
So liest du die INCI-Liste
Die Inhaltsstoffliste auf der Packung folgt in der EU festen Regeln. Sie steht unter der Überschrift „Ingredients“ und nutzt die international einheitlichen INCI-Namen, meist auf Englisch oder Latein. Die Stoffe sind nach absteigender Menge sortiert: Was vorne steht, ist in größerer Konzentration enthalten. Stoffe unter einem Prozent dürfen am Ende in beliebiger Reihenfolge stehen.
Diese Regeln legt die EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 fest. Sie schreibt außerdem vor, dass bestimmte allergene Duftstoffe ab einer gewissen Konzentration einzeln genannt werden müssen, statt im Sammelbegriff „Parfum“ zu verschwinden. Das hilft Allergikerinnen und Allergikern, Auslöser gezielt zu meiden.
Der Wirkstoff: Thioglykolate
Auf fast jeder Enthaarungscreme findest du eines oder mehrere dieser Salze der Thioglykolsäure:
- Potassium Thioglycolate (Kaliumthioglykolat)
- Calcium Thioglycolate (Calciumthioglykolat)
- seltener Sodium Thioglycolate (Natriumthioglykolat)
Sie spalten die Disulfidbrücken im Keratin des Haars, bis es weich wird und sich abstreifen lässt. Die Haarwurzel bleibt unberührt. Wie viel Wirkstoff erlaubt ist und warum er reizen kann, erklärt die eigene Seite Thioglykolat in Enthaarungscreme. Der Wirkstoff ist auch für den typischen Schwefelgeruch verantwortlich.
Alkalische Puffer und Hilfsstoffe
Damit Thioglykolate schnell genug arbeiten, brauchen sie ein stark alkalisches Milieu. Dafür sorgen Laugen und Puffer, die du ebenfalls auf der Liste findest:
| INCI-Name | Funktion | Was du wissen solltest |
|---|---|---|
| Calcium Hydroxide | stellt den hohen pH-Wert ein, lässt das Haar aufquellen | Hauptgrund für Reizung und trockene Haut |
| Sodium Hydroxide, Potassium Hydroxide | pH-Regulierung | in geringen Mengen, ebenfalls alkalisch |
| Urea | Harnstoff; unterstützt das Aufquellen des Haars und bindet Feuchtigkeit | in Enthaarungscreme eher Wirkungsverstärker als Pflegestoff |
| Paraffinum Liquidum | Mineralöl; macht die Creme geschmeidig und verteilbar | gilt als gut hautverträglich; erdölbasiert, nicht pflanzlich |
| Cetearyl Alcohol | Fettalkohol, Konsistenzgeber | trotz des Namens kein austrocknender Alkohol |
| Calcium Carbonate, Talc, Silikate | Füllstoffe, Konsistenz | unbedenklich für die Wirkung |
| Sodium Gluconate | Komplexbildner, stabilisiert die Rezeptur | hilft gegen Wirkverlust |
Die Tabelle zeigt typische Vertreter, nicht jede Creme enthält alle. Welche Stoffe drin sind, verrät nur die Packung deines Produkts – Rezepturen ändern sich je nach aktuellem Sortiment.
Pflegezusätze: was sie leisten und was nicht
Viele Hersteller werben mit pflegenden Zusätzen. Häufig sind:
- Aloe Barbadensis Leaf Juice (Aloe vera): wird als beruhigend und feuchtigkeitsspendend eingesetzt.
- Butyrospermum Parkii Butter (Sheabutter): Pflanzenfett, macht die Haut geschmeidig.
- Prunus Amygdalus Dulcis Oil (Mandelöl) und andere Pflanzenöle.
- Glycerin und Panthenol: binden Feuchtigkeit, unterstützen die Regeneration.
- Tocopherol (Vitamin E): Antioxidans, schützt vor allem die Rezeptur.
Diese Stoffe können die Haut während und nach der Anwendung etwas schonen. Sie ändern aber nichts daran, dass die Creme alkalisch ist und auf der Haut arbeitet. Eine Creme mit Aloe ist deshalb nicht automatisch für Gesicht oder Intimbereich geeignet – ob sie dafür freigegeben ist, steht auf der Packung. Pflanzenextrakte können selbst Allergien auslösen.
Duftstoffe und Konservierer: die häufigsten Allergene
Parfum soll den Schwefelgeruch überdecken. Auf der Packung erscheint es als „Parfum“ oder „Fragrance“, dahinter folgen bei Überschreiten der Grenzwerte einzeln genannte Duftstoffe wie Limonene, Linalool, Citronellol, Geraniol oder Coumarin. Duftstoffe gehören zu den häufigsten Auslösern von Kontaktallergien in Kosmetik.
Auch Konservierungsmittel können sensibilisieren. Wer weiß, worauf er reagiert, sollte die Liste vor dem Kauf genau lesen. Eine Übersicht über parfumfreie Varianten bietet Parfumfreie Enthaarungscreme. Wie sich eine Allergie zeigt, steht unter Allergie auf Enthaarungscreme.
Was du je nach Hauttyp meiden solltest
- Empfindliche Haut: Parfum, ätherische Öle und lange Listen an Pflanzenextrakten. Lieber eine kurze, parfumfreie Rezeptur.
- Bekannte Duftstoffallergie: alle Produkte mit „Parfum“ und den bekannten Einzelallergenen.
- Neigung zu Ekzemen: vor der Anwendung ärztlich abklären, unabhängig von der Rezeptur. Hinweise unter Enthaarungscreme bei Neurodermitis.
- Vegane Ansprüche: auf tierische Bestandteile wie Lanolin oder Bienenwachs achten. Mehr unter Vegane Enthaarungscreme.
Unabhängig von der Liste gilt: Auch die beste Rezeptur kann bei dir reagieren. Deshalb vor jedem neuen Produkt einen Verträglichkeitstest 24 Stunden vorher machen. Wie oft die Haut die Inhaltsstoffe verträgt, beschreibt Wie oft darf man Enthaarungscreme verwenden? und die richtige Anwendung steht unter Enthaarungscreme richtig anwenden. Weitere Grundlagen bündelt der Ratgeber Enthaarungscreme.
Häufige Fragen
Welcher Inhaltsstoff entfernt bei Enthaarungscreme die Haare?
Ein Salz der Thioglykolsäure, meist Potassium oder Calcium Thioglycolate. Es spaltet in alkalischem Milieu die Schwefelbrücken im Haar-Keratin, sodass sich das Haar abstreifen lässt.
Warum enthält Enthaarungscreme Urea?
Urea unterstützt das Aufquellen des Haars, damit der Wirkstoff besser eindringt, und bindet Feuchtigkeit. In Enthaarungscreme ist es eher ein Wirkungshelfer als ein Pflegestoff.
Gibt es Enthaarungscreme ohne Chemie?
Jede Enthaarungscreme wirkt chemisch, denn sie muss das Haar-Keratin auflösen. Produkte, die als natürlich beworben werden, enthalten meist ebenfalls Thioglykolate. Mehr dazu auf unserer Seite zu natürlicher Enthaarungscreme.
Sind die Inhaltsstoffe von Enthaarungscreme gefährlich?
In der EU sind Konzentration und pH-Wert des Wirkstoffs gesetzlich begrenzt und Warnhinweise vorgeschrieben. Bei bestimmungsgemäßer Anwendung gelten die Produkte als sicher, sie können aber reizen oder Allergien auslösen.
Weiterlesen
- Natürliche Enthaarungscreme: Was dran ist
Was hinter Naturversprechen steckt.
- Warum riecht Enthaarungscreme so stark?
Woher der Schwefelgeruch kommt.
- Wie funktioniert Enthaarungscreme?
Die Chemie Schritt für Schritt erklärt.
- Enthaarungscreme für sensible Haut
Worauf empfindliche Haut achten sollte.